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Turn out the lights
Die Schweden sind ein seltsames Volk. Fast schon kontradiktisch existieren im kalten Norden einerseits zahlreiche – salopp gesagt – Schrammelbands wie In Flames, The Hives, Opeth und nicht zu vergessen, als “schwedische Musik” berühmt-berüchtigte Hardcore- und Metalbands, andererseits auch Singer-Songwriters mit ihrem zarten Gitarrenspiel und zerbrechlich-leisen Gesang das Klischee des einsamen Schwedens in einer Holzhütte bedienen. Klischeehaft ist auch das Cover von “Somebody Outside”, die nordische Sonne versteckt sich hinter einer großen Wolkenfläche und lässt einem nur die Silhouette von Anna Ternheim erkennen.
Das reduzierte Arrangements, die den Gesang in den Vordergrund stellt, vermittelt tatsächlich den Eindruck, als habe Ternheim die Platte in einer Holzhütte in Nordschweden innerhalb kurzer Zeit während der Winterzeit aufgenommen. Mit der Produktion verhält es sich wie mit dem Arrangements: Roh, ungeschliffen und von jeglicher Hochpolitur fern, die mit den den klaren Lyrics über das Verlassenseins, den heimlichen unerreichten Wünschen und der Wahrnehmung des eigenen Scheiterns Hand in Hand geht, macht die Platte zu einem homogenen Werk. Angefangen von den stetig wiederholenden Versen in “To be gone” (“Leave the body, leave the mind, every promise every place behind”) über Eskapismus hin zu der Eingestehung der eigenen Fehler, doch der Unfähigkeit etwas gegen diese zu tun in “I’ll follow you tonight”, der unerwiderten Liebe gekoppelt mit einem französischen Refrain in “A French love” (“I’m bound to fall in love with the one qui ne m’aime pas”) bis hin zu dem Abschluss “Shoreline” über den Verlust der eigenen Naivität und der Träume um in der zynischen Welt des Erwachsenseins zu überleben (“Oh this town kills you when you are young”).
Wer es ganz rustikal mag, dem sei die Naked-Version-CD auf der limitierten Version als Schweden-Import zu empfehlen, nicht nur erkennt man den Jazzhintergrund, der in den normales Versionen ab und an zu erkennen ist, insbesonders im Opener “To be gone”, sondern bringt durch die spärliche Instrumentenbegleitung dem Hörer das einsame Holzhütten-Gefühl direkt ins warme Haus vorbei. Spätestens wenn es ihm genauso geht wie dem Protagonisten aus “I say no”: “But the sadness in your eyes won’t go away. It becomes you, in a strange kind of way.”
8/10
Anspieltipps: Somebody’s outside, I say no, I’ll follow you tonight, Shoreline, Bring down I like (Naked Version), My Secret (Naked Version), Troubled mind
Tracklist:
CD 1:
1. To be gone
2. Better be
3. I’ll follow you tonight
4. Bring down like I
5. I say no
6. A french love
7. A voice to calm you down
8. Somebody’s outside
9. My secrets
10. Shoreline
CD 2 (Naked Version):
1. To be gone
2. Better be
3. No way out
4. Troubled mind
5. Bring down I like
6. I say no
7. A French love
8. My secret
9. I’ll follow you tonight
VÖ: 3.02.2006
Label: Stockholm/Universal
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