Platten. Gigs. Rob Gordons Passion.


Starsailor – Silence Is Easy
Oktober 16, 2008, 11:10 nachmittags
Einsortiert unter: Britpop

Sunshine in the glory skies

Das schwierige zweite Album. Schon bevor die New-Wave-Ära in Großbritannien 2005 anfing und gefühlte 437 britische Nachwuchsbands wie Pilze aus dem Boden schossen, um erfrischend-tanzbare Platten herausbrachten, nur um zwei Jahre später der Hürde entgegensahen mit ihrem zweiten Album die Kritiker und Fans zu überzeugen um sich nicht als Eintagsfliege zu entpuppen, mussten sich etliche andere Bands diesem Druck aussetzen. Starsailor lieferten mit ihrem Debüt “Love is here” eines der hinreißend schönsten Alben 2001 und ließen entzückte Hörer in diesem Rausch aus intensiver Melancholie schwelgen.
Die inoffizielle Regel, dass das zweite Album oftmals auch Ausdruck eines bewussten oder unbewussten Stilwechsels – man will ja keine bloße Kopie des Debüts fabrizieren – ist, wurde von den Briten befolgt, wie es gleich der schmissige Opener “Music was saved” unter Beweis stellte. Beschwingt singt Walsh “One two three she’s riding up to heaven, four five six I’m wired up to eleven, the rushes were made and music was saved”, gepaart mit einem Wooohooohooo-Echo, und man kratzt sich am Kopf, ob man die richtige CD eingelegt hat. Starsailor als Frohnature? Doch angesichts der charismatische Stimme Walshs, kann man sich derer sicher sein: Jawohl, auch die von Schwermut gekennzeichneten “Good Souls” Starsailor haben die Lebensfreude entdeckt. Ihr Image als Berufsmelancholiker hin oder her, wenn alle Stücke so gut klingen wie “Music was saved”, warum sollen sie nicht Freude auf der ganzen Welt verbreiten?
Wie ein roter Faden zieht sich das neue Lebensgefühl in der Musik durch die Platte, entsprechend wurde das Arrangement aufgestockt, fanden sich doch üppige Streicher ihren Weg ins Studio um ihren Ausdruck zu vermitteln. Das etwas verkitschte “Telling them” konnten sie leider nicht aus der Belanglosigkeit retten, hingegen passten sie sich dem wie für Stadionkonzerte angepasste “Bring my love” perfekt an. Live wäre dieser Song angesichts des dramatischen Anfangs und den etwas pathetischen Lyrics mit Sicherheit ein Ereignis. “Four to the floor” lebt geradezu von den Streichern und zeigt, dass auch mit diesen Instrumenten sich tanzbare Stücke jenseits des Walzers kreieren lassen.
Mit “Silence is easy” (“Silence is easy, it just becomes me, you don’t even know me, all lie about me”) und dem hypnotischen, mit minimalistischen Lyrics ausgestattetem “Shark food” (“We’re shooting from the heart, and if we get it wrong, they’ll feed us to the sharks”) bekommen auch die immerzu beliebten britischen Medien ihr Fett weg, und erweisen sich nebenbei als zu den stärksten Songs der Platte.
Es liegt nicht an dem Stilwechsel, die das Zweitwerk weniger intensiv anmuten lässt als das Debüt, vielmehr erzeugt die auf Perfektion gerichtete Produktion eine seltsame Unberührtheit, so plätschern insbesondere die Balladen vor sich hin und man ist geneigt die Skiptaste zu betätigen ehe die Langweile noch einem selbst ergreift. Phil je-bombastischer-der-Sound-desto-besser Spector produzierte zwei Songs des Albums, hielt er sich in “Silence is easy” noch mit seiner Überproduziertheit zurück, wünschte man sich, dass er von “White dove” lieber seine Hände gelassen hätte. Auch in “Born again” und “Restless heart” war von der Phil-Spectorisierung zu spüren, ungeachtet der Tatsache, dass er jene Songs nicht produzierte, aber sein Einfluss die gesamte Platte prägen. Mehr ist eben nicht immer mehr.

6/10

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